Prof. Dr. Stefan Hirschauer

Sprecher AG1 und DFG-FG 1939

Institut für Soziologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Jakob-Welder-Weg 12
Georg-Forster-Gebäude
Raum 03-455
55128 Mainz

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Fax: +49 6131 39-23728
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SoCuM-Projekt: Geschlechtliche Differenzierung und Entdifferenzierung im Prozess der Elternwerdung (Teilprojekt im Rahmen der 2013 eingerichteten DFG Forschergruppe FG 1939 Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung)

Das Projekt untersucht das Binnenleben der Geschlechterdifferenzierung – das doing und undoing gender – in einer spezifischen Phase von Paarbeziehungen: der Elternwerdung während der Schwangerschaft. Die Schwangerschaft gilt im Allgemeinen als eine Hochkonjunkturphase der Geschlechterdifferenzierung in Paaren, nämlich als Phase ihrer Retraditionalisierung. Aber auch bei solch starken kulturellen Programmierungen ergeben sich mikrosoziale Spielräume für die Entdifferenzierung von Geschlecht. Das Projekt verfolgt die Hypothese, dass die Relevanzgraduierung von Geschlecht wesentlich mit dem Lebensstil und der soziotechnischen Form der Schwangerschaft variiert. Daher wird ein fallkontrastives Design mit einem theoretical sample von fünf Varianten von Paarbeziehungen genutzt: Paare mit traditionaler Arbeitsteilung, posttraditionale Paare, lesbische Paare, medizinisch assistierte Schwangerschaften und sogenannte „schwangere Männer“. Während das letztgenannte Teilprojekt sich auf massenmediale Diskurse beschränkt, sollen die anderen vier Fälle in medizinischen und populärwissenschaftlichen Diskursen, in privaten Narrativen und Protokollen, in der Kommunikation unter anonymen Gleichbetroffenen sowie in situierten Praktiken werdender Elternschaft verfolgt werden.

Forschungsinteressen
Praxistheorien, Qualitative Methoden sowie Soziologie des Wissens, des Körpers und der Geschlechterdifferenz

Wissenschaftlicher Werdegang
Stefan Hirschauer ist seit 2006 Professor für Soziologische Theorie und Gender Studies an der Universität Mainz. Bis 2006 war er Professur für Soziologie und Gender Studies an der LMU München. Er war Visiting Scholar am Department for Science Studies der Cornell University und hatte Gastprofessuren am Institut für Soziologie der Universität Wien und am Centre de Sociologie de l’Innovation in Paris. Er war Heisenberg-Stipendiat der DFG und Hochschulassistent der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld. 1998 erfolgte die Habilitation; 1991 die Promotion in Bielefeld, wo er 1985 auch das Diplomstudium der Soziologie abschloss. 1991 erhielt er den Mullins-Award der Society for Social Studies of Science. Von 1990–1999 war er Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift für Soziologie.

Publikationen (Top 5)

2014
Intersituativität. Teleinteraktionen und Koaktivitäten jenseits von Mikro und Makro. In: Zeitschrift für Soziologie, Sonderheft: Interaktion, Organisation und Gesellschaft.
2010
Editorial Judgments. A Praxeology of ‘Voting’ in Peer Review. In: Social Studies of Science 40.  S. 71-103.
2006
Putting Things into Words. Ethnographic Writing and the Silence of the Social. In: Human Studies: A Journal for Philosophy and the Social Sciences 29. S. 413-441.
2005
On Doing Being a Stranger. The Practical Constitution of Civil Inattention. In: The Journal for the Theory of Social Behavior 35. S. 41-67.
2001
Das Vergessen des Geschlechts. Zur Praxeologie einer Kategorie sozialer Ordnung. In: B. Heintz (Hrsg.): Geschlechtersoziologie. Sonderheft 41 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. S. 208-235.