Prof. Dr. Ruth Zimmerling

Institut für Politikwissenschaft
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Raum 04-321
Georg Forster Gebäude
Jakob Welder-Weg 12
55128 Mainz

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SoCuM-Projekte:

The Power of Minorities (Teilprojekt im Rahmen der AG 2)
Minderheiten genießen in vielen demokratischen Systemen ausdrücklichen Schutz. Ihre besondere Schutzbedürftigkeit wird meist ohne Weiteres angenommen. Dass Minderheiten auch besondere Machtressourcen besitzen und zum Einsatz bringen können, wird kaum thematisiert.
Die Untersuchung soll beitragen, diesen blinden Fleck der Minderheitenforschung zu beleuchten. Ausgangspunkt ist die Erwartung, dass die öffentliche Anerkennung einer Bevölkerungsgruppe als „Minderheit“ immer umkämpft sein wird, da sie für die Gruppe selbst und für Dritte Kosten bzw. Nutzen erzeugt. Nur Gruppen, die über Machtressourcen verfügen und diese einzusetzen verstehen, werden in einem solchen Anerkennungsprozess erfolgreich sein. Anerkennung wiederum bedeutet für die betreffende Minderheit für manche Zwecke selbst eine Machtressource. Grundlage für die Analyse der betreffenden Machtgeflechte und -beziehungen sind langjährige Vorarbeiten zur differenzierten Kategorisierung von sozialer, politischer und rechtlicher Macht.

The Democratic Public: a Hate-Free Zone?
Liberale Demokraten debattieren seit langem über Für und Wider der Beschränkung der Redefreiheit im Fall sog. „Hate Speech“. Argumente auf beiden Seiten, die instrumentelle Konsequenzen der (Nicht-)Beschränkung für den stabilen Bestand der öffentlichen Ordnung betonen, kranken daran, dass sie der empirischen Stützung bedürfen, die grundsätzlich schwierig zu gewinnen und bisher jedenfalls unzureichend ist. Mehr Aufmerksamkeit verdient deshalb die Frage, inwieweit eine – im Lichte zeitgenössischer, empirisch instruierter normativer Theorien – überzeugende Vorstellung von liberaler Demokratie Vorgaben für den öffentlichen Umgang der Mitglieder einer Gesellschaft miteinander enthält, aus denen sich Grundsätze für einen systemadäquaten Umgang mit „Hassrede“ ableiten lassen. Gehört zu den Ansprüchen, die liberale Demokratie an alle Teilnehmer stellt, dass die gegenseitige Anerkennung als politisch „Freie und Gleiche“, wo nicht tatsächlich gegeben, zumindest öffentlich geheuchelt wird? Muss eine freiheitlich-demokratische Öffentlichkeit schon deshalb eine „hassfreie Zone“ sein? Oder kann freiheitliche Demokratie auch dort funktionieren, wo Teile der Bevölkerung ihre Verachtung für andere öffentlich ausdrücken – solange sie sich im Übrigen an demokratische Formen halten und deren Abschaffung nicht betreiben? Es wird analysiert, was aktuelle Demokratietheorien für die Beantwortung dieser Fragen anbieten.

Forschungsinteressen
Politische Theorie, insbesondere Machttheorie, Demokratietheorie, Grundbegriffe der Politikwissenschaft

Wissenschaftlicher Werdegang
Ruth Zimmerling ist seit 2003 Professorin für Politische Theorie am Institut für Politikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zuvor war sie in Mainz, Bamberg und Darmstadt tätig und vertrat Professuren in Frankfurt a. M. und Hamburg. Zu ihrem internationalen Profil gehören Forschungsaufenthalte am European University Institute (Fiesole), an der Research School of Social Sciences der ANU (Canberra) und am Research Institute for Social Sciences der Universität Tampere sowie Gastdozenturen am EUI, an der University of Essex, in Barcelona, Madrid, Brasilia, Córdoba (Arg.) und Mexiko-Stadt. Vor der Promotion und Habilitation im Fach Politikwissenschaft studierte sie Mathematik und VWL (Dipl.-Math.) sowie Islamwissenschaften (M. A.). Seit 2003 ist sie Mitglied, seit 2012 Vizepräsidentin des Tampere Club.

Publikationen (Top 5)

2007
Democracy and Inequalities. In: Aulis Aarnio (Hrsg.): Inequality and Democracy. Tampere: Tampere University Press.
2006
(mit M. Becker, Hrsg.:) Politik und Recht, Wiesbaden: VS.
2006
Institutions, Inclinations, Interventions. In: G. Brennan (Hrsg.): Preconditions of Democracy. Tampere: Tampere University Press.
2005
Influence and Power. Variations on a Messy Theme. Dordrecht: Springer.
2005
(Hrsg.) Globalisation and Democracy. Tampere: Tampere University Press.