Prof. Dr. Herbert Kalthoff

SoCuM-Sprecher, SoCuM AG1 / DFG FG 1939

Institut für Soziologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Raum 03-432
Georg-Forster-Gebäude
Jakob-Welder-Weg 12
55128 Mainz

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SoCuM-Projekt: Die Objektivierung von Urteilen in der institutionellen Kategorisierung von Schülern (Teilprojekt im Rahmen der 2013 eingerichteten DFG Forschergruppe FG 1939 Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung)

Verschiedene gesellschaftliche Institutionen sorgen für dauerhafte Kategorisierungen der Gesellschaftsmitglieder. In modernen Gesellschaften fällt dabei der Institution Schule eine besonders herausgehobene Position zu. Hier setzt das Projekt an: Am Beispiel der schulischen Bewertungspraxis wird die Herstellung guter/schlechter, begabter/nicht-begabter Schüler untersucht. Die schulische Klassifikation gilt dabei als zuverlässige und institutionell verankerte Form, Individuen durch Markierung zu entmischen und damit Zugänge zu schulischen und professionellen Laufbahnen zu steuern. Zentral für diese Differenzierungspraxis sind erstens kontingente Lehrerurteile, die – aggregiert in Zensuren – die ‚Leistung‘ zugleich beschreiben und zuschreiben. Zweitens werden diese von Lehrpersonen vorgenommenen Klassifikationen durch institutionelle Verfahren der Schule objektiviert. Das Forschungsprojekt untersucht die schulische Klassifikation als ein soziales Drama, in dem ‚Leistung‘ und ihre Bewertung aufgeführt und dargestellt, angeeignet und unterlaufen, gespeichert und berechnet werden. Empirisch untersucht das Forschungsprojekt an Grundschulen und Gymnasien die schulische Bewertung als hierarchisierende Markierung von Personen, die institutionelle Differenzverstärkung sowie die Rechtfertigung und Aneignung der Klassifikation.

Forschungsinteressen
Bildungssoziologie, Finanzsoziologie, qualitative Methoden

Wissenschaftlicher Werdegang
Herbert Kalthoff ist seit 2008 Professor für Wissens- und Bildungssoziologie sowie für qualitative Methoden an der Universität Mainz. Zuvor vertrat er die Professur für Soziologie an der PH Heidelberg. Er war Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, a.o. Professor für Soziologie an der Zeppelin University in Friedrichshafen, Gastprofessor am Institut für Höhere Studien in Wien und Visiting Scholar an der London School of Economics and Political Science. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz und an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, an deren Fakultät für Kulturwissenschaften 2003 auch die Habilitation erfolgte. 1995 promovierte er an der Universität Bielefeld. Sein Studium der Soziologie an der EHESS (Paris) bei Pierre Bourdieu und den Universitäten Hannover und Bielefeld, schloss er 1991 mit einem Diplom in Sozialwissenschaften ab. Er war Forschungsstipendiat der DFG und von 2002-2008 Vorstand bzw. Sprecher der DGS-Sektion Methoden der qualitativen Forschung.

Publikationen (Top 5)

2014
(mit Torsten Cress und Tobias Röhl, Hrsg.:) Materialitäten. Herausforderungen für die Kultur- und Sozialwissenschaften. München: Fink.
2011
Un/Doing Calculation. On Knowledge Practices of Risk Management. In: Distinktion. Scandinavian Journal of Social Theory 12. S. 3-21.
2005
Practices of Calculation. Economic Representation and Risk Management. In: Theory, Culture & Society 22/2. S. 69-97.
2003
Beobachtende Differenz. Instrumente der ethnografisch-soziologischen Forschung. In: Zeitschrift für Soziologie 32. S. 70-90.
1996
Das Zensurenpanoptikum. Eine ethnographische Studie zur schulischen Bewertungspraxis. In: Zeitschrift für Soziologie 25. S. 106-124.