Prof. Dr. Friedemann Kreuder

SoCuM AG 1 / DFG FG 1939, Sprecher AG 5

Institut für Film-, Theater-
und empirische Kulturwissenschaft
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Raum 03-513
Jakob-Welder-Weg 18
55099 Mainz

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SoCuM-Projekt: Performative Reflexion von Humandifferenzierung im Theater: Gender und
Ethnizität
(Teilprojekt im Rahmen der 2013 eingerichteten DFG Forschergruppe FG 1939 Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung)

Das Projekt zielt auf die Untersuchung von Praktiken der Humandifferenzierung im Feld von Theaterschauspielern, die im institutionellen Theater im Verlauf des dreigliedrigen Prozesses von Casting, Probenpraxis und Aufführungs(serie) stattfindet. Schauspielende Akteure sind Spezialisten einer Form von kultureller Kommunikation, die auf der Basis ihrer Körperlichkeit Praktiken der Humandifferenzierung grundsätzlich als solche ausstellen. Dem Zuschauer wird dadurch die Steigerung der eigenen Reflexion auf die Rahmen von Alltagswelt und Fiktionalität ermöglicht. Hierbei wird der Grad der Exponiertheit und Transparenz der Differenzierungspraktiken von ihrer Abständigkeit von der Korporalität des darstellenden Akteurs bestimmt. Das theaterwissenschaftliche Projekt zielt auf diese intellektuelle Leistung körperlichen Tuns, sein Potenzial zu performativer Reflexion. Diese ist insbesondere bei denjenigen schauspielerischen Praktiken gegeben, bei denen die wesensmäßige Transgression von Humandifferenzierungen eine Potenzierung erfährt: wenn selbst als biologisch gerahmte Kategorisierungen als Fiktionen sichtbar werden. Daher beziehen sich die angestrebten Analysen von Humandifferenzierung auf die Untersuchung von Formen des cross-gender-actings und des cross-ethnic-actings im deutschen Gegenwartstheater. In vergleichender Forschungsperspektive auf diese beiden Fälle verfolgt das Teilprojekt die Hypothese, dass Akte performativer Reflexion in cross-gender- und cross-ethnic-Performances Kategorisierungen von Geschlecht und Ethnizität in den Augen der Zuschauer unterbrechen bzw. zum Verschwinden bringen.

Forschungsinteressen
Erinnerung als Methode der Aufführungsanalyse; Theater und Subjektkonstitution; das Theater Richard Wagners und Ästhetik des „Gesamtkunstwerks“; das Theater Klaus Michael Grübers; Gegenwartstheater; das Theater Falk Richters; Theaterformen im 18. Jahrhundert; Theater und Theatralität des Mittelalters

Wissenschaftlicher Werdegang
Friedermann Kreuder ist seit 2005 Professor für Theaterwissenschaft an der Universität Mainz. In den Jahren 2008 bis 2012 war er Präsident, 2004 bis 2008 Vizepräsident der Gesellschaft für Theaterwissenschaft. Er hatte Gastdozenturen am Trinity College in Dublin, am ZKM in Karlsruhe sowie in Glasgow, Bern und am HTMF in Hamburg inne. Friedemann Kreuder war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin und Stipendiat am DFG-Graduiertenkolleg „Theater als Paradigma der Moderne: Drama und Theater im 20. Jahrhundert“ an der Universität Mainz. 2005 erfolgte seine Habilitation und 2001 die Promotion. 2003 erhielt er den Tiburtius-Preis für seine Dissertation „Formen des Erinnerns im Theater Klaus Michael Grübers“.

Publikationen (Top 5)

2010
Spielräume der Identität in Theaterformen des 18. Jahrhunderts. Tübingen: Francke.
2010
Deutsche Kunst und deutsche Politik. Richard Wagners ‚Die Meistersinger von Nürnberg’ (1867) in der Zeit einer riskanten Moderne. In: Robert Sollich et al. (Hrsg.): Angst vor der Zerstörung. Der Meister Künste zwischen Archiv und Erneuerung. Berlin: Theater der Zeit. S. 112-124.
2009
Aldilà teatrale – Hamlet und die andere Welt. In: Friedemann Kreuder und MichaelBachmann: Politik mit dem Körper. Performative Praktiken in Theater, Medien und Alltagskultur seit 1968. Bielefeld: Transcript. S. 123-137.
2008
Flagellation of the Son of God and Divine. Flagellation: Flagellator Ceremonies and Flagellation Scenes in the Medieval Passion Play. In: Theatre Research International 33/2. S. 176- 190.
2002
Formen des Erinnerns im Theater Klaus Michael Grübers. Berlin: Alexander.