Prof. Dr. Damaris Nübling

SoCuM AG 1 / DFG FG 1939

Deutsches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
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SoCuM-Projekt: Onymische Grenzmarkierungen: Die Selbstbenennung von Transsexuellen
(Teilprojekt im Rahmen der 2013 eingerichteten DFG Forschergruppe FG 1939 Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung)

Das Projekt erforscht aus onomastischer Perspektive die Selbstkategorisierung von Menschen. Rufnamen leisten den größten und stabilsten sprachlich-semiotischen Beitrag zur Humandifferenzierung. Ähnlich wie Kleidung, Habitus und Haartracht markieren sie soziale Zugehörigkeit und schaffen Differenz. Dabei transportieren sie Kategorien wie Schicht, Bildung, Alter oder Ethnizität. Vor allem dienen sie der Geschlechtsklassifikation. Im Deutschen erzwingen segregierte Nameninventare das doing gender, eine Enthaltung (undoing gender) ist nicht vorgesehen. Gewisse Spielräume gibt es nur in Bezug auf das phonologische Gendering des Namens. Der Name materialisiert das Geschlecht phonologisch und graphisch.
Gegenstand des Projekts sind Namenwechsel und Namenwahl von Transsexuellen im Zuge der Kündigung ihrer alten und dem Übertritt in eine neue Geschlechtsmitgliedschaft. Eine zentrale Frage wird sein, ob beim Namenwechsel zu einem hohen oder niedrigen onymischen Genderindex gegriffen wird, d.h. ob eher übersteuert oder ob Androgynität angestrebt wird. Andererseits wird mit dem neuen Namen nicht nur das alte Geschlecht, sondern auch ein Stück der alten Identität abgegeben, was den Namenwechsel erschwert und formale Ähnlichkeit zum alten Namen erwarten lässt. Obwohl die Wahl des “richtigen” neuen Rufnamens einschließlich des “richtigen” neuen Personalpronomens in seiner Relevanz kaum überschätzt werden kann, gibt es dazu bis dato keinerlei Forschung, weder in der Soziologie noch in der Onomastik.

Forschungsinteressen
Sprachwandel; Kontrastive Linguistik; Dialektologie, Onomastik, Gender Studies

Wissenschaftlicher Werdegang
Damaris Nübling ist seit 2000 Professorin für die Historische Sprachwissenschaft des Deutschen an der Universität Mainz. Sie ist Herausgeberin der Zeitschiften „Beiträge zur Namenforschung“ sowie „Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur“. Sie war mehrere Jahre Mitglied des DFG-Fachkollegiums „Sprachwissenschaften“ und der Wissenschaftlichen Kommission der Union der Akademien. An der Universität Freiburg war sie Hochschuldozentin für Germanistische und Skandinavistische Linguistik, wissenschaftliche Assistentin am Institut für Vergleichende Germanische Philologie und Skandinavistik, wissenschaftliche Angestellte im SFB 321 „Übergänge und Spannungsfelder zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit“ und Lehrbeauftragte an der Universität Linköping in Schweden. 1998 erfolgte die Habilitation, 1991 die Promotion. Das Magisterstudium der Romanischen und Germanischen Philologie schloss sie 1988 ab. 2002 erhielt sie den Lehrpreis der Universität Mainz, 2013 den Akademiepreis des Landes Rheinland-Pfalz. Seit 2005 leitet sie das DFG-Projekt „Deutscher Familiennamenatlas“, seit 2012 das Mainzer Akademie-Projekt „Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD)“.

Publikationen (Top 5)

2013
(mit Renata Szczepaniak:) Linking elements in German. Origin, Change, Functionalization. In: Morphology 13/1. S. 67-89.
2012
Von Elisabeth zu Lilly, von Klaus zu Nico: Zur Androgynisierung und Infantilisierung der Rufnamen von 1945 bis heute. In: Susanne Günthner et al. (Hrsg.): Genderlinguistik. Sprachliche Konstruktionen von Geschlechtsidentität. Berlin/New York: De Gruyter. S. 319-357.
2009
Zur lexikografischen Inszenierung von Geschlecht – Ein Streifzug durch die Einträge von Frau und Mann in neueren Wörterbüchern. In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik 37/3. S. 593-633.
2008
Was tun mit Flexionsklassen? Deklinationsklassen und ihr Wandel im Deutschen und seinen Dialekten. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 75/3. S. 282-330.
2000
Prinzipien der Irregularisierung. Eine kontrastive Untersuchung von zehn Verben in zehn germanischen Sprachen. Linguistische Arbeiten 415. Tübingen: Niemeyer.