Nora Sties, M.A.

SoCuM Doktorandin,
Förderzeitraum -2014

Institut für deutsche Philologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

E-Mail: sties@uni-mainz.de



Dissertations-Projekt: „Personenbezeichnungen für soziale Kategorien“ – Kulturelle Vermittlung von Stereotypen durch Bilderbücher?
Zum lexikalischen Erwerb gehört das Erlernen von Personenkategorien und den dazugehörigen Bezeichnungen wie Ausländer, Behinderter und den subklassifizierenden Heteronymen Türke, Rollstuhlfahrer etc. Das Dissertationsprojekt verfolgt die Idee, dass sich durch eine linguistische multimodale Textanalyse iterative Wissensaspekte aufdecken lassen, welche die Sprechergemeinschaft zum Erlernen von differierenden Personengruppen für vermittelnswert hält und die in Form einer stereotypischen kognitiven Defaultstruktur die Bedeutung einer Personengruppenbezeichnung bilden.
Bilderbücher sind ein optimaler Untersuchungsgegenstand, da in ihnen ansonsten implizite und präsupponierte Alltagstheorien im Sinne der Akkomodation von Kinder- und Jugendliteratur expliziert werden. Aus sprachwissenschaftlicher Perspektive sind Bilderbücher als ‚Fenster zur Welt’ von besonderem Interesse: Sie bieten in einer wichtigen Phase des Spracherwerbs einen spezifischen Input. Ihre beiden Bedeutungsebenen, Bild und Text, können auf verschiedene Weise miteinander agieren und damit ein entscheidendes Kriterium bei der Klassifizierung hinsichtlich der Darstellung vom Fremden bzw. Unbekannten bilden.
Die Analyse umfasst ein Korpus von 50 Bilderbüchern, die zwischen 1990 und 2010 erschienen sind und sich thematisch mit dem Thema ‚Migration’ oder ‚Behinderung’ beschäftigen.

Forschungsinteressen
Kognitiv-empirische Semantik, Bilderbuchanalyse und semantischer Spracherwerb, Disability Studies und Hate-Speech-Forschung

Wissenschaftlicher Werdegang
Nora Sties ist seit Beginn des Jahres 2010 Promotionsstipendiatin des Forschungszentrum SoCuM in Mainz. Bis dahin studierte sie an der Johannes Gutenberg-Universität Germanistik mit dem Schwerpunkt deskriptive Sprachwissenschaft in Verbindung mit Publizistik und Rechtswissenschaft.

Publikationen

In Vorbereitung
(mit Stefan Hartmann): Implizite Aggression in Online-Kommentaren anlässlich der Debatte um rassistische Sprache in Kinderbüchern. In: Bonacci, Silvia (Hrsg.): Verbale Aggression. Berlin, New York: De Gruyter.
2015
Beleidigungen in realistischen Bilderbüchern. Form und Funktion eines aggressiven Sprechaktes. In: Rösch, Heidi/Hahn, Heidi/Laudenberg, Beate (Hrsg.): Wörter raus!? Zur Kinderbuchdebatte um eine diskriminierungsfreie Sprache. München: Juventa; S. 117 – 137.
2013
(mit Nils Lindenhayn:) Was Marker machen: Versuch über die Materialität soziokultureller Differenzierung. In: Eva Bonn, Christian Knöppler, Miguel Souza (Hrsg.): Was Machen Marker? Logik, Materialität und Politik von Differenzierungsprozessen. Bielefeld: Transcript.
2012
Diskursive Produktion von Behinderung: Die marginalisierende Funktion von Personengruppenbezeichnungen. In: Jörg Meibauer (Hrsg.): Hassrede / Hate Speech. Interdisziplinäre Beiträge des gleichnamigen Workshops, Mainz 2009. Gießen: Gießener Elektronische Bibliothek.