Nils Lindenhayn

SoCuM-Doktorand,
Förderzeitraum 2010—2013

Institut für Soziologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

E-Mail: lindenhayn@uni-mainz.de
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Dissertations-Projekt: Die Revolution der Prüfung: Zur historischen Soziologie pädagogischer Objektivität
Die pädagogische Prüfung in all ihren Ausprägungen ist eine der entscheidenden Techniken der sozialen und kulturellen Differenzierung moderner Gesellschaften. Gemessen an ihrer weitreichenden Bedeutung ist ihre flächendeckende Implementierung im Kontext der frühmodernen Bildungsrevolution allerdings noch weitgehend unerforscht. Um 1800 entsteht eine schulische Prüfungskultur, die seitdem aus unserer Lebenswelt nicht mehr wegzudenken ist. Deren zentrales Kennzeichen ist die Objektivierung des Lehrerurteils: in der modernen Prüfung überführt die Institution Schule die kontingenten und situationsgebundenen Einschätzungen der Lehrer in valide, ‚wasserdichte‘ Urteile, die von den Spuren ihrer Hervorbringung bereinigt, intersubjektiv nachvollziehbar, kontextübergreifend transportabel, universell gültig sind – mithin als objektiv gelten. In meinem Projekt gehe ich der Frage nach, wie diese Prüfungskultur innerhalb nur weniger Jahrzehnte derart institutionalisiert und ritualisiert werden konnte, dass sie seitdem nicht nur als »Inbegriff schulischer Logik« schlechthin gelten muss (N. Ricken), sondern mittlerweile auch weit über die Schule hinaus unsere Biografien ebenso wie die Differenzen zwischen ganzen Gesellschaftsgruppen prägt.

Forschungsinteressen
Wissens- und Bildungssoziologie, Kulturtheorien, Geschichte der Pädagogik

Wissenschaftlicher Werdegang
Nils Lindenhayn war von 2010 bis 2013 Stipendiat bei SOCUM und promoviert seit September 2010 am Institut für Soziologie. Zuvor war er Studienreferendar am Ernst-Abbe-Gymnasium in Berlin-Neukölln mit den Fächern Englisch, Politik und Geschichte (Zweites Staatsexamen im Mai 2010). Im April 2008 schloss er sein Studium der Amerikanistik, Politik- und Erziehungswissenschaft an der FU Berlin mit dem ersten Staatssexamen für das Amt des Studienrats ab. Im Jahr 2004/05 war er als Deutschlehrer an der Carleton University, Ottawa tätig. Seit 2013 ist er Lehrer an der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule in Berlin-Pankow.

Publikationen

2013
Rangordnung/Raumordnung: Zur kompetitiven Logik schulischer Praxis im 19. Jahrhundert. In: Markus Tauschek (Hrsg.): Kulturen des Wettbewerbs: Formationen kompetitiver Logiken. Münster: Waxmann.
2013
(mit Nora Sties:) Was Marker machen: Versuch über die Materialität soziokultureller Differenzierung. In: Eva Bonn, Christian Knöppler und Miguel Souza (Hrsg.): Was machen Marker? Logik, Materialität und Politik von Differenzierungsprozessen. Bielefeld: transcript.
2013
„Prüfen“. Im Handwörterbuch. In: Ute Frietsch und Jörg Rogge (Hrsg.): Über die Praxis des kulturwissenschaftlichen Arbeitens. Bielefeld: transcript.