Dr. Christiane Schürkmann

SoCuM NWG 2

Institut für Soziologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Raum 03-422
Georg-Forster-Gebäude
Jakob-Welder-Weg 12
55128 Mainz

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Habilitationsprojekt
Unendliche Entsorgung. Zur gesellschaftlichen Relevanz radioaktiver Abfallstoffe (Arbeitstitel)
Nach dem geplanten Ausstieg aus der Atomenergie im Jahr 2022 werden voraussichtlich 30.000 Kubikmeter hoch radioaktive Abfallstoffe dauerhaft zu lagern sein – und dies nur in Deutschland. Im Zuge der Suche nach einem Standort für die Lagerung dieser speziellen Abfallstoffe sehen sich verschiedene gesellschaftliche Akteure vor die Herausforderung gestellt, ein ›Endlager‹ zu lokalisieren, zu begründen und in einem partizipativen Verfahren zu legitimieren. An diesem Prozess sind erstens verschiedene politische Institutionen (Bund, Länder) und Wissenschaften beteiligt (Chemie, Geowissenschaften, Ingenieurswissenschaften, Physik), die ihrerseits die Eignung der unterirdischen Lokalität aus ihrer je spezifischen Fachperspektive einschätzen und beurteilen. Zweitens sind zivilgesellschaftliche Akteure beteiligt, die vor allem die enormen und nicht zu überschauenden Risiken der Lagerung dieser hochgradig gefährlichen Abfallstoffe zu ihrem politischen Einsatz machen. Sowohl die Konstellation der Akteure als auch die Brisanz des Gegenstandes lässt ein starkes gesellschaftliches Konfliktpotenzial vermuten.
Das Habilitationsprojekt untersucht aus einer soziomateriellen und soziotechnischen Perspektive den Umgang mit radioaktiven Abfallstoffen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den als ‚hoch radioaktiv‘ definierten Abfallstoffen. Wichtige Fragestellungen des Projekts sind u.a.: Wie formiert sich ‚Gesellschaft‘ um solche materiellen Entitäten, die als höchst gefährlich gelten und kaum regulierbar sind? Wie fordern diese ‚Abfallstoffe‘ sowohl zivilgesellschaftliche Akteure als auch Organisationen der Gesellschaft in deren Handlungsfähigkeit heraus und wie präformieren sie soziotechnische Prozesse? Welche Rolle spielt technisches und wissenschaftliches Wissen bei der Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderung? Welches Wissen wird wann und auf welche Weise eingesetzt, um die ‚Stoffe‘ doch regulierbar erscheinen zu lassen? Welche Verhältnisse von Natur/Kultur lassen sich im Rahmen der Untersuchung des Umgangs mit diesen Stoffen rekonstruieren?
Konzeptionell schließt das Projekt an posthumane Theorien und den Diskurs über das Anthropozän an; empirisch folgt es den Methoden der qualitativen Sozialforschung. Das Projekt verortet sich in der Umweltsoziologie, der Wissenschafts- und Technikforschung sowie der sozialwissenschaftlichen Materialitätsforschung.

Forschungsinteressen
Materialitätsforschung, Theorie(n) des Posthumanen, Wissenschafts- und Techniksoziologie, Qualitative Methoden, Kunstsoziologie, Praxistheorie, Phänomenologie, Sociology of Matter

Wissenschaftlicher Werdegang
Christiane Schürkmann ist seit 2010 Mitarbeiterin am Arbeitsbereich für Wissen, Bildung und Qualitative Methoden. Seit 2017 ist sie Sprecherin der AG 3 „Posthuman. Perspektiven auf Natur/Kultur“ beim Forschungszentrum SoCuM. Ihrer Dissertation ist eine ethnografische Studie in der bildenden Kunst, die 2017 unter dem Titel „Kunst in Arbeit. Künstlerisches Arbeiten zwischen Praxis und Phänomen“ bei Transcript erschienen ist. Studiert hat sie Sozialwissenschaften und Kunst an der Universität Siegen.

Publikationen

2017
Kunst in Arbeit. Künstlerisches Arbeiten zwischen Praxis und Phänomen. Bielefeld: Transcript
2017
(mit M. Schech) What Can Be Done to Make Trouble? Eine Frage zeitgenössischer Kunst. Siegen/Berlin: Gebrüder Mann/Reimer: Edition Imorde.
2017
Maurice Merleau-Ponty. In: Christian Steuerwald (Hg.), Klassiker der Soziologie der Künste. Prominente und bedeutende Ansätze. Reihe: Kunst und Gesellschaft. Wiesbaden: Springer VS 2017, S. 433-451.
2016
Eisen, Säure, Rost und Putz. Zum Arbeiten mit Material in der bildenden Kunst. In: H. Kalthoff/T. Cress/T. Röhl (Hs.): Materialität. Herausforderungen für die Sozial- und Kulturwissenschaften. Paderborn: Fink., S. 359-375.
2015
Blinde Flecken vor grauem Putz. Künstlerische Praxis und ethnografische Grenzgänge auf den Spuren sinnlicher Wahrnehmung. In: H. K. Göbel/S. Prinz (Hg.): Die Sinnlichkeit des Sozialen. Wahrnehmung und materielle Kultur. Bielefeld: Transcript, S. 317-339.