AG 1: Un/Doing Differences. Die Herstellung und Aufhebung soziokultureller Differenzen

AG Mitglieder: Mita Banerjee (Amerikanistik), Stefan Hirschauer (Soziologie; Sprecher), Herbert Kalthoff (Soziologie), Friedemann Kreuder (Theaterwissenschaft), Matthias Krings (Ethnologie), Carola Lentz (Ethnologie), Damaris Nübling (Germanistik), Oliver Scheiding (Amerikanistik)

Kulturelle Phänomene bestehen aus kontingenten sinnhaften Unterscheidungen, die von historisch und geographisch spezifischen Kontexten geprägt sind. Solche sinnhaften Unterscheidungen werden gesellschaftlich etwa zwischen verschiedenen Pflanzen, Tieren, Dingen oder Krankheiten gemacht. Die wichtigsten Differenzierungen sind jedoch jene, mit denen sich die Unterscheider selbst voneinander unterscheiden: die Klassifikation der Klassifizierer (Bourdieu).

Die AG1 – aus der 2013 die DFG Forschergruppe 1939 hervorging – eint ein grundlegendes Interesse an der Herstellung, Überlagerung und Außerkraftsetzung verschiedener kultureller Differenzierungen des gesellschaftlichen Personals − am „doing“ und „undoing“ von Differenzen. Sie will Praktiken kultureller Kategorisierung von Menschen untersuchen. Dazu zählen Grenzziehungen im Rahmen von Gemeinschaftsbildungen („wir/die“) entlang sprachlicher, religiöser, ethnischer und nationaler Marker ebenso wie innergesellschaftliche Teilungen nach Geschlecht oder Leistungsklassen. In einer vergleichend angelegten Forschung über heterogene Fälle der Kategorisierung von Personen und der Grenzziehung zwischen Gemeinschaften soll vor allem die Kontingenz dieser Prozesse beleuchtet werden: die Bedingungen der Differenzierung und Entdifferenzierung und die treibenden Mechanismen der Aktualisierung oder Neutralisierung von Varianten solcher Unterscheidungen.

Die Gruppe will die in den Disziplinen und Forschungsfeldern ihrer Mitglieder behandelten Differenzierungen thematisch zusammenführen und als kulturelle Praktiken der Unterscheidung vergleichend untersuchen. Langfristiges Ziel ist es, transdisziplinäre, Sozial- und Geisteswissenschaften als Kulturwissenschaften verbindende Perspektiven zu erarbeiten, aus denen Praktiken und Prozesse kultureller Humandifferenzierung empirisch beobachtet und ihre Mechanismen und Funktionen analytisch begriffen werden können.