AG 2: Die öffentliche Konstitution von Minderheiten

Die AG 2 stellte im Jahr 2014 ihre Arbeit ein.

AG Mitglieder: Kai Arzheimer (Politikwissenschaft), Stefan Aufenanger (Medienpädagogik), Detlef Garz (Pädagogik), Marina Hennig (Soziologie), Jörg Meibauer (Sprachwissenschaft des Deutschen), Bernd Meyer (Interkulturelle Kommunikation / Allgemeine Kulturwissenschaft), Arne Niemann (Politikwissenschaft; Sprecher)

Die Arbeitsgruppe untersucht eine bestimmte Art sozialer Differenzbildung, nämlich die Entstehung bzw. Erzeugung und die Behandlung von Mehrheiten und Minderheiten und deren öffentliche Ausdrucks- und Aktionsformen. Die Unterscheidung von Mehrheiten und Minderheiten impliziert eine relational-quantitative Perspektive. Eine solche Perspektive wird v. a. dann sozial relevant, wenn aus einer quantitativen Relation normative Folgen abgeleitet werden – etwa Regeln über die soziale Besser- oder Schlechterstellung einer als Mehrheit bzw. Minderheit identifizierten Gruppe. Die demokratischen Prinzipien der Mehrheitsentscheidung und des Minderheitenschutzes sind einschlägige Beispiele für solche normativen Konsequenzen. Die Kategorisierung der Gruppen auf beiden Seiten einer sozialen Differenzlinie in „Mehrheit“ und „Minderheit“ ist also weder voraussetzungs- noch folgenlos. Es ist deswegen zu erwarten, dass potentiell alle Aspekte einer solchen Kategorisierung sozial umstritten und umkämpft sein werden – zumindest dann, wenn politische und rechtliche Konsequenzen auf dem Spiel stehen, und dass die erfolgreiche soziale Durchsetzung von Mehrheit-Minderheit-Kategorisierungen von der Mobilisierung und dem geschickten öffentlichen Einsatz vielfältiger (begrifflicher, sprachlicher, argumentativer, medialer, politischer, juristischer …) Ressourcen abhängt. Die umfassende, transdisziplinär informierte Erforschung der damit verbundenen kulturellen Phänomene und sozialen Prozesse steht aus. Es handelt sich um ein innovatives Forschungsthema, dessen politisch-praktische Relevanz für demokratisch verfasste Gesellschaften auf der Hand liegt.